Die Darmflora des Pferdes unterstützen

Die Darmflora eines Fohlens ist nach circa 5 Monaten vollständig ausgebildet.
Der gesunde Darm ist beim Pferd ein wichtiger Teil des Immunsystems – quasi das Kraftwerk des Immunsystems. Ist die Darmflora entgleist und aus der Balance gekippt, vermehren sich schadhafte Keime im Darm. Dadurch können Krankheiten gefördert oder erhalten werden. Um so wichtiger ist die richtige Darmpflege für unsere besten Freunde. Damit wir Pferdeliebhaber alles richtig machen, erklären wir hier, worauf wir achten müssen, damit unsere treuen Begleiter einen rundum glücklichen, gesunden Bauch haben.
Manche Pferdehalter haben sich schon an die Darmsymptome Ihres Pferdes gewöhnt und erkennen es nicht mehr als krankhaft an, weil es „normal“ geworden ist. Aussagen wie: „Das hat er schon immer“ oder „das ist normal bei ihm“ oder „das ist nicht so schlimm“, hören wir bei Deganius immer wieder. Wir sollten uns aber nicht an diese „Normalitäten“ gewöhnen, sondern ein wachsames Auge auf die Gesundheit unseres Pferdes werfen.
Was bewirkt die gesunde Darmflora? Die Darmflora (Mikrobiom) besteht aus Mikroorganismen wie Bakterien, Pilzen und winzigen einzelligen Lebewesen (Protozoen). Diese besiedeln den Darm und helfen bei der Verdauung. Die Darmflora bildet eine Barriere gegen das Eindringen krankmachender Keime, trainiert das zum Darm gehörende Immunsystem (lymphatische System des Körpers), bewahrt den Körper vor der Aufnahme von allergieauslösenden Stoffen aus dem Futter, schützt den Körper vor der Bildung toxischer Stoffwechselprodukte und Bakterien und sorgt für die aktive und gesunde Verdauung.
Die im Darm gelegenen Lymphknoten stellen etwa 80 Prozent der körpereigenen Abwehr des Immunsystems dar. Bei einer bakteriellen Fehlbesiedlung des Darmes wird diese Abwehrfunktion gestört. Eine Keimfehlbesiedlung des Darms begünstigt immer auch das Wachstum von unerwünschten, krankmachenden Pilzen und Bakterien. Die von ihnen produzierten Pilz- und Bakteriengifte gelangen über die Darmwand in den Körper und können selbst direkt Krankheiten auslösen oder fördern. Zum Beispiel Atemwegserkrankungen wie RAO (chronisch obstruktive Bronchitis), Asthma, Hauterkrankungen wie Mauke, Raspe, Sommerekzem, etc. oder andere Krankheiten.
Medikamente
Einige Medikamente können die Darmflora schädigen. Hierzu zählen Wurmpasten, Antibiotika und Schmerzmittel. Cortison lässt die Schleimhäute im Magen-Darm-Trakt dünner und damit anfälliger werden. Werden derartige Medikamente mehrfach im Jahr verabreicht und zeigt das Pferd Symptome, wie zum Beispiel Blähungen, Kotwasser, Krämpfe, Bauchweh, Durchfall, kuhfladenähnliche Pferdeäpfel, Magenempfindlichkeit oder Neigung zu Kolik und Unwohlsein, ist dies ein Zeichen dafür, dass die Darmflora mit großer Wahrscheinlichkeit verschoben ist. Das bedeutet, dass die bakterielle Zusammensetzung der Darmflora gestört ist und aufgrunddessen belastende Symptome beim Pferd auftreten.
Futter- und Nahrungergänzungsmittel
Ein empfindlicher Darm braucht nicht ständig neue Zusätze im Futter. Er benötigt zuerst eine Reizreduktion, damit sich die Darmschleimhäute wieder erneuern beziehungsweise regenerieren können. Was bedeutet Reizreduktion? Es bedeutet, dass man für mindestens vier Wochen Heu oder Weidegras und einen Salzleckstein zum Fressen anbietet. Dazu können darmunterstützende Kräuter und Flohsamenschalen und im späteren Verlauf auch Milchsäurebakterien zum Futter gegeben werden – sonst nichts. Man kann diese Zutaten in ein wenig eingeweichte Heucobs oder Luzernecobs einrühren. Alle anderen Zutaten werden weggelassen: Mineralfutter, Öle, Samen, Getreide, Brot, Müsli, Mash, Flocken, Leckerli, etc.
Zu beachten ist, dass man nicht sofort Milchsäurebakterien zum Futter mischt, da sich sonst die Symptome des Pferdes verstärken können. Also erst nur mit Darmkräutern und Flohsamenschalen circa eine Woche lang arbeiten, und dann ab der zweiten Woche zusätzlich Milchsäurebakterien füttern, circa sechs Wochen lang, manchmal auch länger. Das ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Die Zutaten werden abgesetzt, wenn das Pferd mindestens eine Woche symptomfrei ist und keinesfalls Unwohlsein oder Magen- und Darmsymptome zeigt.
Die Heufütterung
Ganz viel Heu füttern, vorzugsweise den ersten Heuschnitt, und auf Silagefütterung verzichten. Möglichst staubarmes, gut riechendes Heu in ausreichender Menge jeden Tag zur Verfügung stellen. Mindestens zwei Kilo Heu pro 100 kg Körpergewicht füttern.
Wenn keine Heuwaage zur Verfügung steht: Ausreichende Fresszeit für Heu/Frischgras beachten. Mindestens fünf bis sechs Stunden pro Tag sind für mittelschlanke Pferde oder Ponys üblicherweise ausreichend.
Bei molligen Pferden oder Ponys sollte über den Tag verteilt eine Fresszeit von Heu/Frischgras mit mindestens vier Stunden eingehalten werden, da sonst arge Verdauungsstörungen auftreten können (das entspricht täglich 1,7 Kilo Heu pro 100 Kilo Körpergewicht). Wer die Fresszeit des Pferdes verkürzt, provoziert damit Kolik, Depression, Agression und eine Verschiebung der Darmflora.
Das Trinkwasser
Sauberes Wasser zum Trinken geben. Alte Wassertonnen mit Algen am Tonnenrand sind giftig für Pferde und belasten die Verdauung und den Darm. Die Argumentation, dass Pferde schon immer Wasser aus algigen Tonnen trinken und es wäre schon nichts passiert ist problematisch, weil am Ende das Pferd den Schaden trägt, und damit auch der Pferdehalter. Wasser aus alten Bleirohren kann auch zu Problemen führen, weil Blei zu Entzündungen der Darmschleimhäute führen kann. Auch plötzliche Koliken können durch eine schleichende Bleivergiftung auftreten. Wenn kein Leitungswasser, sondern Wasser aus dem Brunnen zum Tränken gegeben wird, kann es sein, dass die Pferde zu viel Nitrat oder Pestizide aufnehmen. Ein Labor kann untersuchen, ob das Wasser zum Trinken geeignet ist. Pferde benötigen genauso sauberes Trinkwasser ohne belastende Stoffe wie wir Menschen.
Das Kraftfutter
Möglichst wenig Getreide füttern oder ganz darauf verzichten. Pro 100 Kilo Körpergewicht keinesfalls mehr als 250 Gramm Getreide pro Tag geben. Gequetschter oder eingeweichter Hafer ist am verträglichsten für Pferde mit Durchfall oder Kotwasser.
Hafer enthält nur wenig Klebereiweiß (Gluten), Abwehrstoffe (mit denen dich das Getreide gegen Fraßfeinde schützt [ATI]) und vergärbare Mehrfach-, Zweifach- und Einfachzucker (FODMAP). Außerdem sind viele darmschützende Schleimstoffe im Hafer enthalten.
Testweise kann man auch drei Monate lang ganz auf Getreidefütterung verzichten und stattdessen eingeweichte Rübenschnitzel, Luzernecobs oder Heucobs geben. Hat sich das bewährt, kann es dauerhaft fortgeführt werden.
Eingeweichte Rübenschnitzel werden bevorzugt an ältere, magere Pferde mit schlechter Zahnsubstanz gefüttert. Sie enthalten viele Pektine und unterstützen damit die Verdauung. Auch helfen sie beim Zunehmen dünner Pferde. Bei Neigung zu Hufrehe ist Rübenschnitzeln abzuraten, da der Zuckergehalt etwas höher als bei Luzerne- oder Heucobs ist. Wir von Deganius empfehlen bei älteren Pferden mit Zahnproblemen täglich 0,5 Kilo getrocknete Rübenschnitzel (plus Wasser zum Einweichen) pro 100 kg Körpergewicht zu geben. Die Rübenschnitzel langsam anfüttern, damit die Verdauung sich daran gewöhnt. Bei Neigung zu Kotwasser hat sich dies sehr bewährt.
Was tun bei langanhaltenden Darmproblemen?
Wenn die Darmproblematik länger als drei Monate anhält, spricht man von einer chronischen Darmerkrankung. Bei langanhaltenden Darmsymptomen, wie zum Beispiel Blähungen, Kotwasser, Krämpfe, Bauchweh, Durchfall, Magenempfindlichkeit oder Neigung zu Kolik und Unwohlsein sollte ein Kotscreening erfolgen.
Ein Kotscreening untersucht:
- pH-Wert des Darmes
- Protozoen (einzellige Lebewesen)
- Pilze
- Bakterien
- Parasiten
- bei Bedarf auch weiteres
Es ist keinesfalls ausreichend, den Kot des Pferdes lediglich auf Parasiten zu untersuchen. Stattdessen sollte von einem spezialisierten Pferdelabor ein großes Kotscreening durchgeführt werden. Wenn man das Ergebnis erhalten hat, kann man sich von einer Tierheilpraktikerin oder dem Tierarzt beraten lassen. Es macht überhaupt keinen Sinn, irgendwelche Darmpflegeprodukte im Internet zu kaufen, denn in vielen Fällen hat sich dies als unnütz oder sogar schädigend herausgestellt. Wichtig sind eine systematische Behandlung des Darmes und die Optimierung der Fütterung, damit dem Pferd möglichst schnell geholfen wird.
Wenn die Magen-Darm-Symptome nicht entsprechend behandelt werden, ist die Nährstoffaufnahme dauerhaft behindert und dadurch wird zwangsläufig ein Nährstoffmangel auftreten. Auch werden durch die veränderte Darmflora anderen Erkrankungen Tür und Tor geöffnet.
Die Deganius-Empfehlungen für den gesunden Darm
Deganius Magenzart
Deganius Magenzart beruhigt empfindliche Magen-Darm-Schleimhäute mit Ringelblume, Kamille, Schafgarbe, Süßholzwurzel und Flohsamenschalen. Besonders gestresste Pferde mit sensiblem Magen, oder Pferde die regelmäßig Cortison, Wurmkuren, Schmerzmittel oder ein Antibiotikum erhalten, können von Magenzart profitieren. Es wird mindestens vier Wochen gefüttert, täglich zehn Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht. Dazu kann Kanne Fermentgetreide als Probiotikum gegeben werden.
Deganius Magen&Darm
Deganius Magen&Darm fördert die Verdauung mit Bitterstoffen, Gerbstoffen und ätherischen Ölen. Magen&Darm enthält Benediktenkraut, Andorn, Fenchel, Odermennig und Oreganum. Pferde, die ab und an kuhfladenähnliche Haufen absetzen, Kotwasser oder Blähungen haben, ist Magen&Darm sehr gut geeignet. Mindestens vier Wochen füttern, täglich zehn Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht. Dazu kann Kanne Fermentgetreide als Probiotikum gefüttert werden, zusammen mit Flohsamenschalen.
Flohsamenschalen
Flohsamenschalen bauen die Schleimhäute mit Schleimstoffen im Magen-Darm-Trakt wieder auf. Täglich sechs Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht füttern für circa vier Wochen, gerne zusammen mit Magen&Darm. In der Mischung Deganius Magenzart sind schon Flohsamenschalen drin.
Kanne Fermentgetreide
Erst Schleimhäute aufbauen und verdauungsfördernde Kräuter füttern. Dann nach circa einer Woche zusätzlich Kanne Fermentgetreide als Probiotikum geben. wird es Nach unserer Erfahrung wird es von den Pferden besser vertragen, wenn man es in dieser Reihenfolge gibt. Täglich zehn Gramm Fermentgetreide pro 100 Kilo Körpergewicht füttern, circa vier bis sechs Wochen geben.
Leinsamen braun und gelb
Auch Leinsamen enthalten Schleimstoffe für intakte Magen-Darm-Schleimhäute. Leinsamen gibt man etwas mehr als Flohsamenschalen, da sie weniger Schleimstoffe enthalten. Täglich zehn Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht füttern.
Knoblauch
Wenn ein Antibiotikum vom Tierarzt nicht vertragen wird, kann Knoblauch als Ersatz dienen. Knoblauch hat antibakterielle und pilzhemmende Eigenschaften und kräftigt das Immunsystem. Bei empfindlichem Magen wird Knoblauch mit Flohsamenschalen und Kanne Fermentgetreide kombiniert. Täglich sechs Gramm Knoblauch pro 100 Kilo Körpergewicht füttern, etwa vier Wochen lang.
Kürbiskerne
Kürbiskerne sind eine gute Wahl, wenn Pferde mit sehr empfindlichem Verdauungssystem keine konventionellen Antiwurmmittel vom Tierarzt vertragen. Dann können alternativ viermal im Jahr mindestens zehn Gramm eingeweichte Kürbiskerne pro 100 Kilo Körpergewicht gefüttert werden. Dazu regelmäßig die Pferdeäpfel zweimal jährlich im Pferdefachlabor auf Wurmeier und Würmer untersuchen lassen.