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Wie viel Eiweiß benötigt mein Pferd?

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Pferde, die fünf Stunden am Tag weiden dürfen, haben ihren Erhaltungsbedarf an Eiweiß damit gedeckt.

Pferdehalter sprechen oft über das Thema „wie viel Eiweiß darf mein Pferd erhalten“ und die Meinungen dazu klaffen immer wieder deutlich auseinander. Wir versuchen hier Licht ins Dunkel zu bringen, damit Fütterung wieder Spaß macht und das Pferd davon profitiert. Eiweiß ist ein zentraler Baustein für Muskelaufbau, Gewebeerneuerung, Enzym- und Hormonbildung sowie für die Immunfunktion. Der Bedarf hängt von Gewicht, Alter, Aktivitätsniveau, Gesundheitszustand und Zucht oder Lebensumständen ab. Nachfolgend zeigen wir Orientierungshilfen zum Eiweißbedarf von Pferden in verschiedenen Situationen.

Der Grundbedarf an Eiweiß

Der Tagessbedarf an Rohprotein (Eiweiß) liegt bei etwa 1,1 Gramm pro Kilo Körpergewicht für erwachsene, lauffähige Pferde im Erhaltungsbedarf. Das entspricht bei einem 500-Kilo-Pferd 550 Gramm Rohprotein pro Tag.

Für sehr schlanke oder ältere Pferde kann der Bedarf leicht höher liegen (bis circa 1,3 Gramm Rohprotein pro Kilo Körpergewicht am Tag), auch trächtige Stuten benötigen mindestens 1,3 Gramm (im späteren Verlauf der Trächtigkeit ab dem vierten Monat), Fohlen im Alter von zwei bis sechs Monaten 2,3 Gramm und stark beanspruchte Tiere (z.B. im Hochleistungssport) bis zu 1,8 Gramm.

Der Begriff Rohprotein umfasst alle Aminosäuren. Sie sind Bausteine die aus Eiweißen bestehen. Aminosäuren sind lebensnotwendig für den Körper zum Aufbau von Muskeln, Haut, Haaren, Immunsystem und Hormonen.

Es gibt unterschiedliche eiweißbildende Aminosäuren. Der Körper kann einige dieser Aminosäuren, zum Beispiel Lysin, Methionin, Threonin und Tryptophan, nicht selbst herstellen. Deshalb müssen diese essenziellen Aminosäuren über das Futter zugeführt werden. Andere Aminosäuren kann der Körper bei ausreichender Nahrung selbst produzieren.

Ab wann ist mehr Eiweiß als für den Erhaltungsbedarf sinnvoll?

Sinnvollerweise wird mehr Eiweiß benötigt bei erhöhter Belastung, wie zum Beispiel Aufbautraining, Muskelaufbau, Leistungstraining und auch zur Unterstützung der Heilung bei Muskelverletzungen. In solchen Fällen kann der tägliche Bedarf auf circa 1,4 Gramm pro Kilo Körpergewicht steigen, zeitweise auch auf bis zu 1,8 Gramm, je nach Trainingsintensität und individueller Aufnahme.

Die Proteingabe wird idealerweise der Leistung angepasst und in kleinen Schritten erhöht. Man erkennt die richtige Fütterung an guter Kotkonsistenz, starker Muskulatur und allgemeinem Wohlbefinden.

Welche Erkrankungen erfordern eine Verminderung oder Erhöhung der Eiweißaufnahme?

Zu viel Eiweiß kann zu unnötiger Stickstofflast im Körper führen, die sich in Symptomen wie vermehrtem Kotabsatz und starker Harnausscheidung äußert. Zu viel Eiweiß kann auch die Leber- oder Nierentätigkeit belasten. Bei einem gesunden Pferd tritt durch erhöhte Eiweißzufuhr selten eine akute Vergiftung auf. Die Proteinzufuhr sollte dennoch auf Basis von Bedarf und Leistungsziel erfolgen, nicht als Standardgabe.

Bei Leber- oder Nierenerkrankungen und damit verbundenem gestörtem Proteinstoffwechsel oder geringerer Urinausscheidung kann eine moderat reduzierte Proteinzufuhr sinnvoll sein, also knapp unter dem Erhaltungsbedarf.

Bei Hufrehe, Mauke, Raspe, Sommerekzem und anderen Hauterkrankungen sollte der Erhaltungsbedarf gelten, sofern das Pferd oder Pony nicht im Hochleistungssport aktiv ist. Dann wird sogar mehr Eiweiß benötigt. Keinesfalls sollte eine Eiweißreduktion stattfinden, so wie von manchen Pferdehaltern propagiert!

Ebenfalls sollte bei Cushing keine Eiweißreduktion stattfinden. Auch hier hält sich die Meinung unter den Pferdehaltern hartnäckig, dass Cushingpferde nur wenig Eiweiß erhalten dürfen. Bei Cushing benötigen manche Pferde sogar mehr Eiweiß als im Erhaltungsbedarf, da gerade sie oft unter Muskelabbau leiden.

Bei fortgeschrittener Lebererkrankung oder mangelnder Leberentgiftung sollte die Eiweißzufuhr kontrolliert reduziert werden. Dies sollte man mit seinem Tierarzt oder einer qualifizierten Ernährungsberaterin besprechen. Zuviel Eiweiß kann in solchen Fällen zu Organversagen und damit zum Tode führen. Dasselbe gilt übrigens auch für fortgeschrittene Nierenerkrankungen.

Akute Magen-Darm-Erkrankungen erfordern eine temporäre Verringerung der Eiweisszufuhr, um die Verdauungsbelastung zu senken. Eine leichte Reduktion des Eiweißgehaltes knapp unter dem Erhaltungsbedarf ist dann sinnvoll.

Pferde, die zu Übergewicht neigen, erhalten oft stark rationierte Heumengen. Hier sollte man aufmerksam sein und sich gut informieren, wie viel Eiweiß pro Tag benötigt wird. Eventuell müssen dann eiweißhaltige Zusatzfuttermittel gegeben werden.

Allgemein kann man sagen: Jede Reduktion erfolgt individuell, da der Eiweißbedarf stark von der zugrunde liegenden Erkrankung abhängt. Ein Tierarzt kann hier eine gute Begleitung durch Blutuntersuchungen bieten.

Eiweißbedarf in speziellen Disziplinen

Turniersport zeichnet sich durch körperliche Belastung, Muskelarbeit und Schnelligkeit aus. Eine erhöhte Proteingabe ist zur Unterstützung von Muskelaufbau und Regeneration sinnvoll. Circa 1,3 Gramm pro Kilo Körpergewicht pro Tag Eiweiß sollte als Basis dienen. Eine Erhöhung findet statt, je nach Phase des Aufbautrainings und der Wettkampfvorbereitung.

Galopper und Traber sind auf der Rennbahn einer hohen Muskelbelastung ausgesetzt. Die Proteinzufuhr im moderaten bis erhöhten Bereich liegt bei circa 1,4 Gramm pro Kilo Körpergewicht am Tag.

Bei Distanzpferden soll die Energieversorgung primär über Kohlehydrate und Fette stattfinden. Der Proteinbedarf bleibt wichtig für Muskelerhalt und Erholung, tendenziell liegt er im Bereich 1,1 Gramm pro Kilo Körpergewicht am Tag. Bei sehr lang anhaltender Belastung sollte der Eiweißgehalt leicht erhöht sein.

Bitte bedenken: Bei jeder Disziplin ist die Proteinqualität entscheidend. Einen hohen biologischer Nutzen liefern essenzielle Aminosäuren, besonders Lysin, Methionin und Threonin.

Eiweiß in Heu und Weidegras

Die Angabe „Rohprotein“ ist eine Mengeneinheit und keine Aussage über die verwertbare Proteinmenge. Mit Rohprotein meint man die gesamte Menge an Protein, die im Futter enthalten ist und durch eine Brennwertanalyse ermittelt wird. Das Rohprotein umfasst alle proteinhaltigen Substanzen, einschließlich der Aminosäuren, ohne Berücksichtigung möglicher Verluste durch Verdauung oder mangelnde Bioverfügbarkeit.

Hier eine kleine, grobe Orientierung zum Eiweißanteil in Heu und Frischgras:

Heu Rohproteingehalt pro Kilo
Proteinarmer später Heuschnitt, geerntet Beginn bis Mitte Blüte. Circa 54 Gramm
Proteinarmer später Heuschnitt geernet nach Blütezeit. Circa 44 Gramm
Proteinreicher früher Heuschnitt, geerntet vor der Blüte. Bis zu 138 Gramm

Frisches Weidegras enthält circa 12 Prozent Eiweiß pro Kilo. Ein Kilo Weidegras enthält somit etwa 120 Gramm Eiweiß pro Kilo. Im Gegensatz zu Heu also eine ziemlich hohe Menge.

Die oben genannten Werte variieren stark je nach Futterqualität, Grasart, Trocknungsgrad und Erntezeit. Bei Unsicherheit lieber eine Futteranalyse (Nährwertanalyse) des Heus in einem Labor erstellen lassen.

Das Mischungsverhältnis von Raufutter, Frischgras und ergänzendem Protein- beziehungsweise Kraftfutter sollte individuell angepasst werden. Bei sehr starkem Eiweißmangel empfehlen wir die Kombination aus Luzernecobs, BT-Bierhefe und Samen.

Die Deganius Empfehlungen

BT-Bierhefe

Bierhefe mit Biertreber

BT-Bierhefe enthält hochwertige Aminosäuren, besonders Lysin, Methionin und Threonin.
Der Gehalt an Rohprotein beträgt 31 Prozent. Außerdem sind viele B-Vitamine darin enthalten. Wir empfehlen täglich 10 bis 20 Gramm BT-Bierhefe pro 100 Kilo Körpergewicht zu füttern. In Einzelfällen kann man auch mehr geben.

Hanfsamen

Hanfsamen

Hanfsamen enthalten circa 25 Prozent Eiweiß, die aus vielen Aminosäuren zusammengesetzt sind. Auch wertvolle Omega-3 und -6-Fettsäuren (Alphalinolen und Linolen), circa 35 Prozent hochwertiges Öl, Balaststoffe und wenig Kohlenhydrate sind darin enthalten. Außerdem Vitamine (A,D,E,B) und Mineralien (Eisen, Kalium, Magnesium, Calcium, Zink und Phosphor). Täglich 10 bis 20 Gramm Hanfsamen pro 100 Kilo Körpergewicht füttern.

Deganius Samenmix

Deganius Samenmix

Diese Samenmischung enthält ungefähr 22 Prozent Eiweiß. Außerdem Omega-3- und -6-Fettsäuren, hochwertiges Öl, Vitamine, Spurenelemente und Mineralstoffe. Deganius Samenmix besteht aus Hanf-, Hagebutten-, Lein-, Dill- und Bockshornkleesamen. Täglich 20 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht am Tag geben.

Leinsamen braun und gelb

Leinsamen

Leinsamen enthalten etwa 23 Prozent Eiweiß, Schleimstoffe, Lecithin, Sterine, Ballaststoffe, mehrfach ungesättigte Omega-3-Fettsäuren und circa 45 Prozent fettes Öl (Leinöl). Des Weiteren sind im Leinsamen enthalten: Kalzium, Phosphor, Magnesium, Eisen, Natrium, Kalium, Jod, Fluor, Zink, Kupfer, Mangan, Schwefel, Vitamin E, alle B-Vitamine und Selen. Fütterungsempfehlung: täglich 10 bis 20 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht füttern.

Luzernecobs

Luzernecobs

Der Eiweißgehalt liegt bei Luzernecobs bei circa 19 Prozent. Luzernecobs enthalten viele Aminosäuren, was sie als gesundes Beifutter auszeichnet. Luzerne (Alfalfa) ist eine basische und vitalstoffreiche Futterpflanze. Pferde aller Rassen proftieren von der sehr guten Verdaulichkeit und dem hohen Vitamin- und Mineralstoffgehalt dieser Pflanze. Täglich maximal 250 Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht füttern.

Deganius Haut&Kleid

Deganius Haut&Kleid Kräuter für den Fellwechsel des Pferdes

Wenn Pferde eiweißhaltiges Futter schlecht vertragen, sollte man die Funktion der Leber und Nieren mit Deganius Haut&Kleid stärken. Diese Mischung enthält Löwenzahnkraut, Löwenzahnwurzel, Brennnessel, Bärlauch, Goldrute und Labkraut. Sie wurde speziell entwickelt, um den Stoffwechsel des Pferdes mit den Auscheidungsorgangen Leber und Nieren zu unterstützen. Täglich zehn Gramm pro 100 Kilo Körpergewicht füttern, sechs Wochen lang.

Bildquellen

  • pferde-grasen-wiese-protein-eiweiss: Bild von kadinovav auf Pixabay
  • Bierhefe mit Biertreber: Deganius
  • Hanfsamen: Deganius
  • samenmix: Deganius
  • Leinsamen: Deganius
  • Luzernecobs: Deganius
  • Deganius Haut&Kleid: Deganius