Wie kriegt man Hautpilz beim Pferd in den Griff?

, und am 01.04.2019

Im Reich der Pilze

Pferd juckt sich

Wussten Sie schon? Eines der größten Lebewesen der Erde ist fast 10.000 Quadratmeter groß und 2400 Jahre alt. Es lebt unterirdisch in den USA in Oregon und ist ein Pilz – ein Hallimaschpilz. Pilze besiedeln viele Bereiche. Sie leben auf der Haut, auf Schleimhäuten, im Erdboden, auf Steinen, an Bäumen, an Hufen. Ihre Aufgabe ist es zu zersetzen, zu regulieren und auszugleichen. So erfüllen Pilze unter anderem auch eine Schutzfunktion, und halten damit Organismen im Gleichgewicht. Pilze gehören zur natürlichen Flora der Haut und der Schleimhäute des Pferdes.


Pilze sind hervorragende Überlebenskünstler. Sie haben über eine Milliarde Jahre Erfahrung in der Erhaltung ihrer eigenen Art. Pilze formen seit frühesten Zeiten zusammen mit Algen und Bakterien das Leben an Land. Algen verließen das Meer und bildeten mit den Pilzen eine Symbiose, da sie sich gut gegenseitig nähren konnten. Denn die Algen konnten mit Hilfe der Pilze auf trockenem Land leichter anorganische Nährstoffe erschließen. Da die Nährstoffverfügbarkeit sich dadurch deutlich verbesserte, konnten sich daraus schließlich Pflanzen entwickeln und die Evolution nahm ihren Lauf.

Die Ursachen für Hautpilz

Auch auf der Haut und den Schleimhäuten unserer Pferde sind Pilze Verbündete. Sie helfen auszugleichen und zu transformieren. Deshalb sollte man Pilze nicht als potenzielle Feinde betrachten, sondern als freundschaftliche Helfer. Übermäßigen Pilzbefall von Haut und Schleimhäuten können wir am Juckreiz und Haarausfall erkennen. Dies macht uns aufmerksam darauf, dass das Körpermilieu aus dem Gleichgewicht geraten und das Immunsystem geschwächt ist. Die Ursachen hierfür können vielfältig sein:

  • Stress, z.B. in der Herde, bei Überforderung in anderen Bereichen
  • Übersäuerung durch Silage- oder Getreidefütterung in großen Mengen
  • insgesamt unausgewogene Ernährung
  • übertriebenes Waschen, besonders mit tensidhaltigen Waschmitteln
  • schlechter Stoffwechsel
  • reine Boxenhaltung, wenig Frischluft und Bewegung
  • regelmäßige Medikamenteneinnahme, z.B. Cortison, Antibiotika und weitere
  • Probleme mit dem Darm
  • Vitamin- und Mineralienmangel

Pferde sind in der Fellwechselzeit im Frühling und Herbst anfälliger für Hautpilz, besonders bei einer geschwächten Immun- und Stoffwechsellage. Es sollte der Organismus des Pferdes unbedingt unterstützt werden, auch, damit es nicht zur erneuten Pilzinfektionen kommt. Diese Reinfektionen sind nämlich sehr häufig in Reitställen anzutreffen, wenn viele Pferde zusammen gehalten werden.

Wie kann man feststellen, ob das Pferd einen Hautpilz hat?

Die Erreger, die bei Pferden hauptsächlich für Hautpilzerkrankungen verantwortlich sind, sind Microspermum und Trichophyton. Diese bilden oberflächliche Pilzinfektionen. Eine Pilzinfektion beginnt oft mit kleinen Knötchen auf der Haut, später fallen Haare aus und es bleibt ein krustige, verschorfte und schuppige Haut zurück. Durch den vorhandenen Juckreiz scheuern sich die Pferde sehr stark und die entsprechenden Hautstellen fangen an zu nässen. Hautpilz kann zu klein- und zu großfächigen Hautveränderungen am Körper führen, je nach Stärke des Befalls.

Ein Hautpilzerreger kann über ein Hautgeschabsel im Labor nachgewiesen werden. Hierfür schabt der Tierarzt ein wenig von der Oberfläche der Haut ab, außerdem entnimmt er auch Schuppen und Haare und sendet dies für eine Untersuchung ins Labor. Ein bakterieller Befall oder ein Befall mit Milben der Haut kann unter Umständen ähnliche Symptome zeigen wie ein Hautpilz, deswegen ist die Laboruntersuchung sehr wichtig. Letztendlich erspart man sich mit der Laboruntersuchung auch viel Ärger, denn wenn das Pferd mit den falschen Mitteln behandelt wird, ist dies sehr zeitraubend, nervtötend und kostenintensiv.

Dülmener Wildpferd mit Hautpilz

Bei akutem Hautpilz: Was dem Pferd geben?

Um den Hautstoffwechsel bei Pilzerkrankungen zu unterstützen, kann man das gewohnte Futter mit Kräutern anreichern. Es werden Kräuter für eine gute Nieren- und Leberfunktion zum gewohnten Futter gemischt, die zudem sehr viele Vitalstoffe für eine gesunde Haut enthalten.

Zusätzlich kann man dem Pferd Knoblauch geben, da dieser sehr schwefelhaltig ist und Pilze Schwefel nicht mögen. Schwefel wird über die Haut ausgedünstet, wenn man ihn füttert. Knoblauch sorgt zudem für ein aktives Immunsystem.

Falls das Pferd keinen Knoblauch mag, kann auch Propolis gegeben werden. Propolis stärkt die Abwehrlage im Körper und da eine Pilzerkrankung nur bei geschwächtem Immunsystem auftritt, ist es durchaus sinnvoll, Propolis für eine Weile zu geben.

Des Weiteren kann Bierhefe auf Basis von Biertreber verfüttert werden, weil diese viele wichtige Nährstoffe für die Haut enthält. In der BT-Bierhefe sind B-Vitamine (auch Biotin), Zink, Eisen, Kupfer und weitere Mineralstoffe für gesunde Haut enthalten. Bierhefe ist zudem für den Darm gut geeignet, weil es für eine gesunde Bakterienflora im Darm sorgt (Mikrobiom des Darms). Bierhefe enthält in kleinen Mengen Gluten, auch Klebereiweiß genannt. Sie sollte dehalb bei Glutenunverträglichkeit nicht verfüttert werden. Wenn das Pferd schon ein Mineralfutter erhält, kann man auf Bierhefe verzichten.

Was kann bei chronischem Hautpilz zusätzlich gegeben werden und wie sieht dann die allgemeine Fütterung aus?

Eine sogenannte Antipilzfütterungsmaßnahme ist bei chronischem Hautpilz sinnvoll. Sie sorgt für die Entlastung des Immunsystems, entsäuert den Organismus und hilft dem Darm. Dabei sollte grundsätzlich auf Getreide und Silage verzichtet werden, denn diese Futtermittel übersäuern den Organismus und begünstigen chronische Pilzentwicklung. Vorzugsweise wird viel gutes Heu und getreidefreies Krippenfutter angeboten: Zum Beispiel eingeweichte Luzernencobs, Heucobs, Esparsettencobs oder unmelassierte Rübenschnitzel. Für die Entsäuerung des Körpers eignet sich Kieselgur (Diatomeenerde). Kieselgur ist basisch und kann dadurch Übersäuerung ausgleichen. Zudem heißt es, dass es Giftstoffe im Darm bindet und diese dann über den Kot ausgeschieden werden.

Die äußerliche Behandlung der Haut

Bei großflächigen Hautarealen mit Pilzbefall sollte man sich vom Tierarzt ein entsprechendes Mittel für die äußerliche Anwendung auf der Haut geben lassen. Bei Außentemperaturen ab 20 Grad und sonnigem Wetter kann man die Pferde damit komplett abwaschen. Bei kleinen befallenen Hautbereichen sollte man die Mittel örtlich anwenden, insbesondere auch bei kaltem Wetter im Herbst und Winter, damit die Pferde nicht krank werden.

Bei sehr kleinen befallenen Hautarealen kann man äußerlich verdünntes Teebaumöl oder Lavendelöl auf die Haut auftragen. Im Frühling und Sommer ist die Verdünnung mit reinem Paraffinöl empfehlenswert, das es in der Apotheke zu kaufen gibt. Paraffinöl hat in warmen Jahreszeiten entscheidende Vorteile, denn es verklebt die Haut nicht und ist damit bei Hitze deutlich besser hautverträglich. Die ätherischen Öle kann man auch mit Wasser verdünnen und in einen Pumpzerstäuber füllen. Vor dem Aufsprühen immer gut die Flasche schütteln, da sich sonst das Öl vom Wasser trennt.

Wie kann man seinem Pferd sonst noch helfen?

Bei Pilzbefall der Haut sollten Halfter, Satteldecke, Trense, Putzzeug und weitere Utensilien mindestens einmal pro Woche mit einem Antipilzmittel behandelt werden. Hierfür kann man das vom Tierarzt verordnete, mit Wasser verdünnte Antipilzshampoo verwenden. Manche Reiter verwenden auch Essig gegen Pilze an den Utensilien. Dafür kann man Essig mit der gleichen Menge Wasser verdünnen und das Putzzeug damit einsprühen. Decken und Bandagen aus Baumwolle sollte man bei 60 Grad Celsius in der Waschmaschine waschen, damit die Pilzsporen nicht überleben und eine Neuinfektion verursachen.

Die Deganius Empfehlungen

Sommerschön Basis: Für ein gesundes Körpermilieu und den fitten Hautstoffwechsel. Enthält zudem viele Vitalstoffe für die Haut. Darin sind enthalten: Mariendistelkraut, Klettenwurzel, Labkraut, Brennessel, Hagebutten und Zinnkraut. Sollte mindestens sechs Wochen gegeben werden. Pro Tag zehn Gramm Sommerschön Basis pro 100 kg Körpergewicht.

Knoblauch, Granulat oder Flakes: Für mindestens sechs Wochen den schwefelhaltigen Knoblauch zum Futter gegeben. Täglich können fünf Gramm Knoblauch pro 100 kg Körpergewicht gegeben werden. Bei empfindlichem Magen sollte man Knoblauch meiden und lieber Propolis wählen. Zur Neutralisierung des Geschmackes kann Knoblauch mit einem ganz kleinen Schuss Apfelsaft oder mit kaltgepresstem Öl vermischt werden.

Propolis (Bienenkittharz): Wenn Knoblauch von Pferden abgelehnt wird, kann stattdessen Propolis gegeben werden. Es sollten täglich zwei Gramm Propolis pro 100 kg Körpergewicht gegeben werden, mindestens drei Wochen lang. Propolis ist sehr sanft zum Magen. In sehr seltenen Fällen wurden allergische Reaktionen der Haut beobachtet. Dann sollte Propolis sofort abgesetzt werden.

Bierhefe: Bierhefe enthält wichtige Vitamine und Mineralien für die Haut. Man füttert täglich 10 bis 20 Gramm Bierhefe pro 100 kg Körpergewicht. Mindestens sechs Wochen geben oder auch über einen längeren Zeitraum. Nicht bei Glutenunverträglichkeit geben. Muss nicht verfüttert werden, wenn schon ein Mineralfutter an Pferde verabreicht wird.

Kieselgur (Diatomeenerde): Kieselgur kann bei Übersäuerung des Körpers gegeben werden. Pro Tag 10 Gramm Kieselgur pro 100 kg Körpergewicht. Mindestens sechs Wochen lang unter das Futter mischen. Geeignet bei chronischem Hautpilz.

Ätherisches Lavendelöl: Konzentrat zum Verdünnen mit Wasser oder Paraffinöl, Mischungsverhältnis 95 Prozent Wasser oder Öl mit 5 Prozent Lavendelöl, nur zur äußerlichen Anwendung. Besonders für empfindliche Haut geeignet. Während der warmen Jahreszeit nicht im Gemisch mit fetten Pflanzenölen verwenden.

Ätherisches Teebaumöl: Konzentrat zum Verdünnen mit Wasser oder Paraffinöl, Mischungsverhältnis 95 Prozent Wasser oder Öl mit 5 Prozent Teebaumöl, nur zur äußerlichen Anwendung. In seltenen Fällen wurden Unverträglichkeitsreaktionen der Haut beobachtet. Dann sollte man es nicht weiter verwenden. Während der warmen Jahreszeit nicht im Gemisch mit fetten Pflanzenölen verwenden.

Bildquellen

  • pferd-hautpilz_3764082_1280: Von U. Leone auf Pixabay
  • duelmener-pferd-hautpilz_2976567_1920: Bild von A_Different_Perspective auf Pixabay

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