Hilfe! Mein Pferd hustet!

und am 30.11.2016

Kräuter hängen zum Trocknen

Vom kleinen ersten Hüsteln über ganze hustende Ställe bis zur schweren chronisch-obstruktiven Bronchitis mit Dampfrinne und Klinikaufenthalten haben wir bei Deganius schon alle möglichen Fälle berichtet bekommen und miterlebt, die mit Pferdehusten zu tun haben. Im Sommer kommen die allergischen Huster und sobald es kälter und feucht wird nimmt das Thema bei unseren Kunden allgemein größeren Raum ein. Vielleicht ist es nicht uninteressant, einmal zu berichten, wie so eine Pferdelunge überhaupt funktioniert und wie man damit umgehen sollte, wenn das eigene Pferd hustet.

So atmen Pferde

Pferde haben eine im Vergleich zum Menschen riesige Lunge, kein Wunder, wenn man bedenkt, welch große Muskelmasse da mit Sauerstoff versorgt werden soll. Ein Pferd kann pro Minute bis zu 1800 Liter Luft einatmen, die es über die Bronchien in seine Lunge pumpt und dort verteilt. Dazu gibt es in der Lunge ca 750 Millionen klitzekleine Lungenbläschen (mit einer Gesamtfläche so groß wie ein Fußballfeld), die von Luft umströmt und mit Blut durchpulst sind und dafür sorgen, dass an dieser Stelle der Sauerstoff aus der Luft in das Blut übergehen kann. Wenn es galoppiert, werden vom Pferd pro Minute ca 70 Liter Sauerstoff aufgenommen und über die Blutbahnen im Körper verteilt. Die Versorgung mit Sauerstoff ist neben der Nahrungsaufnahme einer der zwei Lieferanten für die Lebensenergie des Tieres, dem sogenannten Energiestoffwechsel.

Die beteiligten Akteure sind die oberen Atmungsorgane (Nüstern, Nasenebenhöhlen, Nasenhöhle und Kehlkopf) und das untere Atmungssystem mit Luftröhre, Bronchien, Lunge, Bronchiolen (die Luftwege in der Lunge selbst) sowie das Zwerchfell.

Es ist durchaus sinnvoll, das Atmungssystem des eigenen Pferdes gut zu pflegen und vor allem Störungen der Atemwege ernst zu nehmen.

Ursachenforschung


Die Ursachen von Husten können sehr vielfältig sein. Wenn ein Pferd hustet, sollten sie sehr bald abgeklärt und – falls möglich – beseitigt werden.

  • Viren können die Schleimhäute der Atemwege irritieren und das Nervengewebe der Atemwege reizen (zum Beispiel Influenza- oder Herpesviren).
  • Auf geschädigten Schleimhäuten siedeln sich Bakterien an und dadurch entsteht eine bakterielle Atemwegsinfektion.
  • Lungenwürmer oder eine Herzerkrankung können Husten auslösen.
  • Verstärkt sind auch Allergien ein Hustenauslöser, wenn die Pferde besonders stark auf Pilzsporen im Heu, Gräser-, Baum- oder Blütenpollen in der Luft oder im Heu reagieren (chronisch-obstruktive Bronchitis alias COB, auch RAO, COPD oder im Endstadium Dämpfigkeit genannt). Saisonal auftretender Husten deutet immer auf eine Allergie hin.
  • Ammoniakgase in unsauberen Ställen oder durch sogenannte Matratzeneinstreu reizen die Atemwege gewaltig.
  • Häufige Gabe von Cortison oder Antibiotika und dadurch bedingte Immunschwäche kann Husten fördern.
  • Endotoxine (Bakteriengifte) im Stallstaub und Futter können ebenfalls Husten auslösen.
  • Pferde können an einer nicht allergisch bedingten Staubempfindlichkeit der Lungen leiden. Sie wird verursacht durch staubiges Heu, Stroh, Späneeinstreu, Krippenfutter, Kehren der trockenen Stallgasse, usw. Extrem feiner Staub ist lungengängig und kann das Lungengewebe dauerhaft schädigen.

Wann zum Tierarzt oder Tierheilparaktiker?

Wenn das Pferd schon drei Tage hustet, sollte unbedingt ein erfahrener Tierheilpraktiker oder Tierarzt konsultiert werden, da der Husten sonst schnell chronisch werden kann. Hustet ein Pferd länger als 3 Monate am Stück, kann man von einer chronischen Atemwegserkrankung ausgehen. Dann muss die Behandlung der Atemwege dauerhaft oder mehrmals im Jahr vorgenommen werden. Hustet das Pferd regelmäßig ab und an, ist es auch sehr wichtig eine Behandlung einzuleiten, damit daraus kein chronischer Husten wird. Die rechtzeitige Behandlung der Atemwege kann dem Pferd viel Elend ersparen. Auch der Geldbeutel des Pferdehalters wird dadurch geschont, da chronische Atemwegserkrankungen in der Regel sehr kostspielig sind und manchmal auch Klinikaufenthalte notwendig machen. Eine Gefahr ist auch, dass der Mensch sich an die Husterei des Pferdes gewöhnt hat und sie nicht mehr deutlich als Krankheit wahrnimmt. Sehr oft hört man dann von Reitern: Ach, der hustet doch schon immer – das ist normal.

Pferdehusten? Kräuter!

Pferde sind ausgesprochene Kräuterliebhaber, gerade deshalb eignen sich die altbekannten Atemkräuter grundsätzlich dazu, ein hustendes Pferd zu unterstützen. Wäre ein Pferd ein Wissenschaftler, würde es uns mit voller Überzeugung davon erzählen, was sie enthalten: Antibakterielle, krampflösende, entzündungshemmende und auswurffördernde ätherische Öle, schleimhautschützende und beruhigende Schleimstoffe, schleimlösende und entzündungshemmende Saponine und entzündungshemmenden Schwefel. Außerdem Vitamine, Mineralien, Spurenelemente, Gerbstoffe, Bitterstoffe, Chlorophyll, Kieselsäure und viele andere Vitalstoffe. Bei allen akuten oder chronischen Atemwegserkrankungen können deshalb problemlos Kräuter an Pferde gegeben werden, auch begleitend zu medizinischen Therapien (sollte dann natürlich mit dem Arzt besprochen werden).

Wichtig ist, auf die gute Qualität der Kräuter zu achten. Empfehlenswert sind Kräuter in Arzneibuchqualität, denn diese müssen Prüfvorschriften für Wirkstoffgehalt, Identität und die Reinheit der Planzen entsprechen. Außerdem gelten nach dem Arzneibuch Rückstands-Höchstmengen-Verordnungen für Schwermetalle, Pflanzenschutzmittelrückstände, Ethylenoxid, Aflatoxine und Radioaktivität.

Nicht immer die gleichen Kräuter füttern

Es ist durchaus sinnvoll, alle paar Wochen oder Monate die Einzelkräuter oder die Kräutermischung zu wechseln. Besonders bei längerfristigen Atemwegserkrankungen ist dies sehr wichtig, da eine neue Kräuterkomposition einen neuen positiven Anreiz schaffen kann (manche Wirkstoffe der Kräuter werden über die Leber zügig abgebaut, je öfter und je länger man die selben Kräuter gibt). Im Allgemeinen kann man einmal täglich pro 100 kg Körpergewicht drei bis sechs Gramm pro Einzelkraut geben. Das ist abhängig davon, wie hoch die tägliche Gesamtmenge an Kräuten ist. Insgesamt sollte ein Pferd mindestens zehn Gramm Kräutermischung pro 100 kg Körpergewicht erhalten. Bei einem chronischem Husten ist die dauerhafte Gabe mit Kräutern sinnvoll, bei einem akuten Husten reicht es aus, wenn man sie bis zu sechs Wochen lang gibt.

Welche Kräuter?

Es gibt viele Kräuter, die bei Husten gegeben werden können. Wir von Deganius empfehlen diese Einzelkräuter:

Eibischblätter

In der traditionellen Anwendung wird der Eibisch zur Beruhigung der Schleimhäute, zur Entzündungshemmung und zur Reizmilderung der Atemwege verwendet. Eibisch enthält viele Schleimstoffe und ätherisches Öl. Die Schleimstoffe sind sogenannte Heteropolysaccharide. Sie quellen in Wasser, bilden eine geleeartige Konsistenz und legen sich wie ein Schutzfilm auf die Schleimhäute der Atemwege.

Fenchelsamen

Traditionell wird der Fenchelsamen zur Schleimlösung bei Husten eingesetzt. Der Fenchel enthält viele ätherische Öle, nicht nur im Samen, auch im ganzen Kraut. Ein Fencheltee wird von vielen Pferden sehr gerne angenommen, im Tee entfalten sich die enthaltenen ätherischen Öle ganz besonders gut. Manche Pferde mögen den braunen und bitteren Fenchel nicht so gerne, da er sehr stark schmeckt. Der grüne Fenchel wird von fast allen Pferden sehr gerne angenommen, entweder als Tee oder auch pur.

Oreganum

Der Oreganum wird traditionell zur Schleimlösung und Krampflösung bei Husten angewandt. Da der Oreganum auch antibakteriell ist, wird er bei Husten besonders gerne eingesetzt. Oreganum enthält viele ätherische Öle, Flavonoide, Catechine, Phenolcarbonsäuren/derivate, Rosmarinsäure, Zimtsäure, Kaffesäure, Syringasäure und vieles mehr.

Dillsamen

Dillsamen wird traditionell zur Auswurfförderung bei Husten gegeben. In den Samen sind viel fettes Öl enthalten und auch ätherische Öle.

Süßholzwurzel

Traditionsgemäß wird die Süßholzwurzel innerlich zur Auswurfförderung bei allergischem Husten gegeben. Sie enthält Glycyrrhizin, Flavonoide, Cumarin, ätherische Öle, aliphatische Säuren, Polysaccharide und Steroide.

Achtung: Bei Herzerkrankungen, Herzschwäche oder dem sogenannten Altersherz, sollte keine Süßholzwurzel eingesetzt werden, da es diese Erkrankungen verschlechtern kann. Auch bei Cushing sollte die Süßholzwurzel gemieden werden. Die Süßholzwurzel sollte keinesfalls dauerhaft verabreicht werden, sondern nur bei Bedarf (circa 1 bis 4 mal pro Jahr, jeweils circa 4 Wochen lang).

Weitere Tipps bei Husten

Eukalyptusöl ist prima bei einer verengten Lunge und verengten Bronchien, auch wenn ein plötzlicher Hustenanfall auftritt. Das Pferd erhält sofort mehr Luft, wenn man in das gewohnte Kraftfutter je nach Größe des Pferdes drei bis fünf Tropfen ätherisches Eukalyptusöl gibt. Das Futter sollte dann gut umgerührt und auch mit etwas Wasser angefeuchtet werden. Ätherische Eukalyptusöl ist stark konzentriert, darum bitte vorsichtig und tropfenweise dosieren.

Bei allergischen asthmatischen Anfällen kann zusätzlich Calcium verfüttert werden, da Calcium die Durchlässigkeit der Gefäßwände reduziert und somit bei Allergien eine kleine Hilfe ist. Calcium ist natürlicherweise in Futterkalk enthalten (es ist ein Gesteinsmehl). Man kann einem Pferd pro Tag circa 30 bis 70 Gramm Futterkalk geben, je nach Größe. Wenn ein Allroundmineralfutter mit Calcium verfüttert wird, sollte auf keinen Fall zusätzliches Calcium verabreicht werden, da ein zuviel an Calcium zu Kalkablagerungen in den Gefäßen und den Gelenken führen kann.

Sehr gut sind Inhalationen mit Meersalzwasser. Pro Liter kochend heißem Wasser berechnet man 1 Eßl. Meersalz, Himalayasalz oder Punjabsalz. Inhalationen können bis zu 3 x am Tag durchgeführt werden. Ein Eimer und ein großes Handtuch werden für das Inhalieren benutzt, genauso wie man bei einer Erkältung Inhalationen beim Menschen durchführt.

Getrocknete Hagebutten können Pferden gegeben werden, da diese stark Vitamin C-haltig sind und auch noch viele andere Vitamine und Mineralstoffe enthalten. Pro Tag kann man 6 Gramm Hagebutten pro 100 kg Körpergewicht geben, entweder für die Zeit des Hustens oder auch dauerhaft. Hagebutten sind für Pferde sehr gut verträglich, schmackhaft und allgemein stärkend. Bei chronischen Hustern ist es deshalb durchaus sinnvoll, die Hagebutten für längere Zeit zu geben. Geschwächte und sehr alte Pferde können manchmal selbst nicht genügend Vitamin C im Darm produzieren, daher ist auch hier die Hagebuttengabe sinnvoll.

Bei durch Bakterien ausgelöster Husten hilft Knoblauchpulver, zusätzlich zu den oben genannten Hustenkräutern. Täglich gibt man hiervon sechs bis zehn Gramm pro 100 kg Körpergewicht. Das Knoblauchpulver kann man ca. sechs Wochen lang füttern. Es sollte gut mit dem gewohnten Kraftfutter vermischt werden.

Propolis ist das Kittharz der Bienenvölker. Es ist sowohl antibakteriell als auch antiviral und antimykotisch und kräftigt das Immunsystem. Deshalb wird es gerne bei einem durch Viren ausgelösten Husten verabreicht. Man kann einmal täglich 2 Gramm geschnittenes Propolis oder Propolispulver pro 100 kg Körpergewicht geben, für mindestens drei Wochen oder auch über einen längeren Zeitraum. Von Propolistinktur ist abzuraten, da sie üblicherweise viel Alkohol und wenig Propolis enthält.

Bei langanhaltendem Sauerstoffmangel durch den Husten, kann das Herz in Mitleidenschaft geraten. Dann kann Weißdornkraut gegeben werden. Weißdorn fördert die Durchblutung und sorgt für kräftigere Herzmuskulatur. Einmal täglich benötigt das Pferd sechs Gramm Weißdorn pro 100 kg Körpergewicht. Der Weißdorn kann für mehrere Wochen oder auch dauerhaft verabreicht werden, da er sehr gut verträglich ist.

Bei krampfartigen Hustenanfällen sprechen manche Pferde auch gut auf spezielle Mineralstoffe an: Mangan, Magnesium und Vitamin E mit Selen sollten zusätzlich zu den Kräutern gegeben werden, falls ein Mangel bestehen sollte.

Bei Husten immer sinnvoll

Deganius Atemwohl

Enthält Dillsamen, Vogelknöterich, Fenchel, Oreganum und Eibischblätter. Kann bei jedem Husten verabreicht werden und ist sehr gut verträglich. Einmal täglich zehn Gramm Atemwohl pro 100 kg Körpergewicht geben, insgesamt sechs Wochen lang.

Süßholzwurzel

Anzuwenden bei allergischem Husten. Besonders gut zur Kombination mit oder als Abwechslung zu Deganius Atemwohl. Einmal am Tag sechs Gramm Süßholzwurzel pro 100 kg Körpergewicht für vier Wochen geben. Nicht geben bei Herzerkrankungen oder Cushing!

Propolis

Zur allgemeinen Stärkung des Immunsystems bei viral bedingtem Husten und dessen bakteriellen Begleiterscheinungen. Einmal täglich zwei Gramm Propolis pro 100 kg Körpergewicht verabreichen, mindestens drei Wochen lang.

Bildquellen

  • kraeuter-haengen-fotolia-84143260: Fotolia #84143260 Urheber: LiliGraphie

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