Kräuter als Mineralfutter fürs Pferd?
Welche Vitamine und Minerale sind sinnvoll?

, und am 17.11.2017

Abendstimmung mit Pferd in Mexico

Das Internet, unendliche Weiten für Diskussionen über die Pferdefütterung. Wir schreiben das Jahr 2017. Die Deganius ist seit mehr als 20 Jahren unterwegs, um Pferde mit Kräutern zu versorgen. Dies ist ihr Beitrag zu einer Diskussion zum Thema „Kräuter als Mineralfutterersatz – richtig oder falsch oder…?“

Mineralstoffe und Vitamine. Was benötigt ein Pferd?

Jedes Pferd benötigt Vitamine und Mineralstoffe, um gesund zu bleiben. Eigentlich hat die Natur es so eingerichtet: Wildpferde wandern in Herden und können sich selbst umfassend versorgen, indem sie unterschiedliche Gegenden mit vielfältigen Nahrungangeboten aufsuchen.

Hauspferde hingegen ernähren sich in erster Linie von Weidegras und Heu und dem, was der lokale Standort anbietet.

Da die Artenvielfalt an unterschiedlichen Gräsern und Kräutern bei vielen Pferdeweiden stark nachgelassen hat, kann eine Ergänzung durch ein konventionelles Mineralfutter oder durch eine naturbelassene Mineralienbeigabe sinnvoll sein, insbesondere wenn Mineralienmängel im Boden vorhanden sind. Diese Mängel treten oft durch eine phosphorreiche Düngung der Böden auf (mehrfache Düngung pro Jahr mit Gülle oder synthetischen Stickstoff-Phosphor-Düngemitteln), denn dadurch wird die Artenvielfalt auf den Weiden eingeschränkt. Schwermetalle im Boden sorgen außerdem dafür, das bestimmte Mineralstoffe im Boden von den Gräsern und Kräutern schlecht gespeichert werden. So kann es passieren, dass ein Pferd einen Mineralienmangel entwickelt, obwohl es ausreichend mit Heu und Weidegras gefüttert wird.

Vitamin- und Mineralienmangel erkennt man am Gesamtzustand des Pferdes (insbesondere Fell-, Huf- und Hautzustand) und er ist auch durch eine Blutuntersuchung durch den Tierarzt festzustellen.

Mineralien

Mineralstoffe werden unterteilt in Mengenelemente und Spurenelemente. Es sind lebensnotwendige anorganische Nährstoffe, die der Organismus nicht selbst produziert. Dehalb gehören sie in das tägliche Futter.

Mengenelemente sind Kalzium, Phosphor, Kalium, Natrium, Chlor, Magnesium und Schwefel. Von besonderer Bedeutung ist das Kalzium-Phosphor-Verhältnis, idealerweise liegt es bei circa 2 zu 1 (zwei Teile Calcium und ein Teil Phosphor). Dies fördert gesundes Knochenwachstum und stabile Gelenke. Hingegen würde Phosphorüberschuss Calciummangel im Körper des Pferdes hervorrufen.

Spurenelemente sind Eisen, Kupfer, Zink, Mangan, Kobalt, Jod und Selen, sie sind bekanntermaßen notwenig. Auch Elemente wie Blei, Aluminium, Nickel, Arsen, Quecksilber, Silber, Bor, Brom, Cadmium, Germanium, Rubidium und Strontium kommen im Körper in äußerst geringen Mengen vor und sind dann auch nicht gesundheitsschädlich.

Vitamine

Vitamine sind organische Verbindungen, die für den Körper lebensnotwendig sind und ebenfalls über das Futter aufgenommen werden. Zu den Hauptvitaminen gehören fettlösliche wie A, E, D und K sowie wasserlösliche wie C, B-Vitamine und Vitamin H (Biotin).

Vitamin K und C stellen Pferde mit Hilfe der Mikroorganismen im Darm selbst her. Auch die B-Vitamine werden selbst produziert, jedoch sind die Speicherkapazitäten eingeschränkt. Bei Störungen der Darmflora oder allgemeinen Verdauungsstörungen (Blähungen, Kotwasser, Durchfall), macht es dennoch Sinn, eine Zeit lang B-Vitamine, Vitamin H, Vitamin K und C hinzuzufüttern. Bei alten, kranken, hautempfindlichen und geschwächten Pferden kann es ebenfalls hilfreich sein, diese Vitamine zu geben, möglichst zusammen mit Probiotika (lebens- und vermehrungsfähige Mikroorganismen für die gute Darmflora). Vitamin D sollte bei reinen Boxen- oder Stallpferden zum Futter gegeben werden, da Stallpferde durch zu wenig Sonnenlicht nur wenig Vitamin D über die UV-Strahlung aufnehmen können. Vitamin A beziehungsweise Beta Carotin sollte in der Winterzeit gefüttert werden, wenn das Heu schon länger als sechs Monate gelagert wurde.

Können Kräuter Mineralfutter ersetzen?


Kräuter, Wurzeln, Früchte, Baumrinden, Flechten und Moose enthalten durchschnittlich mindestens zwanzigmal weniger Mineralstoffe und Vitamine als ein herkömmliches konventionelles Mineralfutter der gleichen Menge. Deshalb kann man beide nicht durch das jeweils Andere ersetzen. Kräuter liefern andere notwendige Stoffe, wie Gerb- und Bitterstoffe, Saponine, Schleimstoffe, Chlorophyll, Flavonoide, ätherische Öle, Anthranoide und viele weitere für die Gesundheit der Pferde notwendige Pflanzenstoffe. Sie erfüllen vielfältige Funktionen im Körper des Pferdes. Kräuter sind aber eine kleine zusätzliche Vitamin- und Mineralstoffbeigabe und können die Nahrung des Pferdes auch hier sinnvoll ergänzen.

Obwohl naturbelassene Kräuter hin und wieder als Mineralfutter angepriesen werden, sollte man sich im Klaren sein, dass starke Mineralienmängel mit Kräutern nicht oder nur sehr schlecht auszugleichen sind.

Pferd in der Provence

Wann synthetisches, wann naturbelassenes Mineralfutter, wann Kräuter?

Bei starken Defiziten des Mineralienhaushaltes sollte ein konventionelles, synthetisches Allroundmineralfutter gegeben werden, dadurch kann in kurzer Zeit der Mangel schnell wieder behoben werden und das Pferd ist bald wieder fit. Bei einzelnen Mineraliendefiziten (Jod, Selen, Zinkmangel u.a.) können diese auch mit einzelnen Stoffen ausgeglichen werden. Bei leichtem Mineralienmangel werden sinnvollerweise naturbelassene Mineralien gegeben (Gesteinsmehle, Seetang, Bierhefe, auch Kräuter sind hier die richtigen Lieferanten) und auch, wenn der Mineralienhaushalt wieder im Gleichgewicht ist, damit das Pferd nicht wieder in einen Mangel rutscht.

Problematisch können synthetische Vitamine und Mineralien bei hautempfindlichen Pferden sein. Unsere Erfahrungen haben gezeigt, dass sich bei Aufnahme synthetischer Zusätze immer wieder eine Verschlechterung des Hautbildes bei Pferden zeigt, insbesondere bei den nordischen Pferderassen oder den sogenannten Robustpferden. Zwar können mit synthetischen Zusatzstoffen höhere Werte an Mineralien und Vitaminen erreicht werden. Aber es wird davon ausgegangen, dass pflanzliche beziehungsweise naturbelassene Mineralien und Vitamine im Zusammenspiel mit den sekundären Pflanzenstoffen synergetisch wirken, also sich gegenseitig bestärken. Sie sollen also vom Körper leichter aufgenommen werden.

Empfehlungen für Mineralfutter zur Grundversorgung

Mineralfutter sollte grundsätzlich sparsam eingesetzt werden, weil ein Zuviel Schaden anrichten kann! Hauptsächlich leben Pferde von Heu und Weidegras, Mineralfutter kann nur eine Ergänzung sein und deshalb sind folgende Mengenangaben sinnvoll:


Für Freizeitpferde (täglich ungefähr eine Stunde Arbeitszeit)

Pro Tag zehn Gramm konventionelles Mineralfutter pro 100 kg Körpergewicht. Von pflanzlichem (naturbelassenem) Mineralfutter wird täglich die doppelte Menge gegeben: 20 Gramm pro 100 kg Körpergewicht.

Für Arbeitspferde (täglich mindestens zwei Stunden Arbeit)

Pro Tag 15 Gramm konventionelles Mineralfutter pro 100 kg Körpergewicht. Bei pflanzlichem (naturbelassenem) Mineralfutter wird ebenfalls mehr verfüttert, nämlich täglich 20 bis 30 Gramm pro 100 kg Körpergewicht.

Für hautempfindliche Pferde

Bei Sommerekzemern, Pferde mit Mauke, Raspe, Hautjuckreiz oder chronischen Hautentzündungen sollte unbedingt darauf geachtet werden, dass rein pflanzliche Vitamine und naturbelassene Mineralien ausgewählt werden. Synthetische Vitamine und Mineralstoffe belasten den Hautstoffwechsel der Pferde und können dadurch das Hautbild verschlechtern. Empfehlenswert sind als Mineralfutter Gesteinsmehle (zum Beispiel Futterkalk oder andere gemahlene Steine), Bierhefe, Seetang, getrocknete Beeren und Früchte, Wurzeln oder andere mineralhaltige Pflanzenstoffe. Insbesondere Bierhefe und Gesteinsmehle eignen sich für längerfristige hohe Gaben, auch in Kombination mit Kräutern. So wird der Mangel schnellstmöglich wieder ausgeglichen.

Übrigens: Die meisten im Fachhandel als Pferdemineralfutter angebotenen anorganischen und organischen Mineralstoffe werden praktisch alle synthetisch hergestellt. „Organisch“ bzw. „organische Verbindungen“ bedeutet in diesem Fall nicht, dass die Mineralien einen naturbelassenen Ursprung haben und deshalb „natürlich“ sind. Als naturbelassen hingegen können gemahlene Gesteinsmehle, geschroteter Seetang, Bierhefepulver, unbehandelte geschnittene Kräuter, Wurzeln, Samen, Beeren, Moose und Früchte bezeichnet werden.

Salz (Natrium)

Salz ist lebenswichtig, es erfüllt viele Funktionen im Körper von Lebewesen. Allen voran ist es für die Regelung des osmotischen Druckes innerhalb der Zellen notwendig und damit für die Versorgung der Zellen mit Nährstoffen. Darüber hinaus dient es der Übertragung von Nervenreizen. Salzmangel kann kurzfristig zu Austrocknung, Koordinationsstörungen und Müdigkeit führen, langfristig Knochenabbau hervorrufen. Da NaCl (Natriumchlorid) in allen Lebewesen vorkommt, ist die Grundversorgung der Pferde schon durch das Pflanzenfutter gegeben. Darüber hinaus sollte den Pferden ausreichend Salz angeboten werden.

Als Salzleckstein eignet sich ein naturbelassener Salzleckstein oder ungebleichtes Meersalz oder Steinsalz ohne chemische Zusätze (kein Kochsalz aus dem Supermarkt). Ein natürlicher Salzleckstein enthält einen geringen Anteil naturbelassene Mineralstoffe und dient somit auch als zusätzliche kleine Mineraliengabe. Ein Salzleckstein ist dennoch kein Ersatz für konventionelles Mineralfutter, für pflanzliche Vitaminbeigaben oder für naturbelassene Mineralien. Pferde wissen sehr selbst genau, wie viel Salz sie benötigen, ein Salzleckstein stellt daher ein hervorragendes Angebot dar.

Wer möchte, kann statt eines Lecksteines auch loses Steinsalz oder Meersalz an Pferde verfüttern, dann sind diese Mengen einzuhalten:

Täglich zwei Gramm Salz pro 100 kg Körpergewicht (für Pferde die täglich circa eine Stunde bewegt werden und bei moderaten Temperaturen unter 25 Grad).

Täglich drei Gramm Salz pro 100 kg Körpergewicht (für Pferde die täglich mehr als zwei Stunden bewegt werden und bei moderaten Temperaturen unter 25 Grad).

Täglich vier Gramm Salz pro 100 kg Körpergewicht (für Pferde die täglich mehr als zwei Stunden bewegt werden und wenn die Außentemperaturen über 30 Grad liegen).

Wiegt das Pferd zum Beispiel 500 kg und wird einmal täglich circa eine Stunde bewegt (bei unter 25 Grad Außentemperatur), so benötigt es täglich ungefähr zehn Gramm Salz. Zehn Gramm Salz entspricht einem leicht gehäuften Eßlöffel voll Salz.

Die Deganius-Empfehlungen

Sommerschön Minerale: Es besteht aus Futterkalk, Bierhefe und Seetang in geeigneter Mischung und liefert pflanzliche bzw. naturbelassene Mineralien und Vitamine. Es ist insbesondere für hautempfindliche Pferde geeignet (Mauke, Raspe, Sommerekzem, Hautentzündungen u.a.). Pro 100kg Körpergewicht einmal am Tag 20 Gramm Sommerschön Minerale geben, gerne auch ganzjährig. Es kann mit Wasser, Apfelessig oder Apfelsaft angefeuchtet werden.

Salvana Mineralfutter: Konventionelles Mineralfutter für alle Pferderassen. Salvana Pellets mit Vitamin D, A, E, K und E, Biotin, B-Vitaminen und allen lebensnotwendigen Mineralstoffen. Salvana Biskuits enthalten zusätzlich Vitamin C. Pro Tag 10 bis 15 Gramm pro 100kg Körpergewicht verfüttern oder täglich ein Biskuit.

Deganius Vitaminspende: Leckere Pflanzenmischung mit Wurzeln, Früchten und Blättern für alle Pferde und Ponys als Vitaminbeigabe. Pro Tag 50 bis 150 Gramm geben, je nach Größe des Ponys oder Pferdes. Für hautempfindliche Pferde gut kombinierbar mit Sommerschön Minerale.

Punjab Salzleckstein: Der naturbelassene Salzleckstein für Pferde, Ponys, Esel, Rinder, Kühe, Rehe, Hirsche, Schafe, Ziegen, Alpakas und Elektriker, die sich daraus Salzlampen bauen wollen ;-).

Bierhefe: Enthält viele B-Vitamine, Vitamin H, Zink, Selen, Kupfer und wenig Calcium. Besonders empfehlenswert für empfindliche Haut.

Futterkalk: Von Natur aus extrem calciumreiches Gesteinsmehl. Kann gegeben werden zur Ergänzung der phosphorhaltigen Getreideration. Einmal täglich 5 bis 15 Gramm Futterkalk pro 100 kg Körpergewicht verfüttern.

Seetang: Stark jodhaltige Mineralien in der Meeresalge Ascophyllum Nodosum. Insbesondere für nordische Pferderassen, Pferde mit Jodmangel oder bei molligen Pferden als kurzfristige Zugabe geeignet, um die Schilddrüse anzuregen. Maximal zweimal pro Jahr für sechs Wochen circa sechs bis zehn Gramm Seetang pro 100 kg Körpergewicht. Nicht dauerhaft geben!

Karottenschnitzel: Enthalten viel Beta Carotin, deshalb sinnvoll in der Winterzeit bei stark abgelagertem Heu. Karottenschnitzel gut einweichen und einmal täglich füttern. Jeden Tag bis zu 30 Gramm getrocknete Karottenschnitzel pro 100 kg Körpergewicht.

Hagebutten, ganz oder geschnitten: Mit viel natürlichem Vitamin C. Gut für kranke, alte und geschwächte Pferde. Einmal täglich sechs Gramm Hagebutten pro 100 kg Körpergewicht.

Selen plus Vitamin E: Übersäuerte phosphorreiche Böden enthalten zu wenig Selen für unsere Pferde. Einmal täglich sechs Gramm Selen plus E pro 100 kg Körpergewicht geben, sechs Wochen lang, ein- bis zweimal im Jahr. Nicht verfüttern, wenn das Pferd schon ein Allroundmineralfutter mit Selen erhält! Die Zugabe von Kanne Fermentgetreide verbessert die Aufnahme von Selen. Selen darf nicht überdosiert werden!

Leinöl, kaltgepresst: Enthält viel natürliches Vitamin E. Auch für dünne und alte Pferde super geeignet. Einmal täglich sechs bis zehn ml pro 100 kg Körpergewicht verfüttern. Pferden sollen nur kleine Mengen Fett erhalten, weil sie wenig Gallenflüssigkeit produzieren können.

Kanne Fermentgetreide: Mit Probiotica (lebens- und vermehrungsfähige Mikroorganismen). Verbessern die Nährstoffaufnahme von Mineralien und Vitaminen, insbesondere bei Verdauungstörungen. Einmal täglich 10 Gramm pro 100 kg Körpergewicht vier Wochen lang füttern.

Schlussbetrachtung

Auf einer kräuter- und gräserreichen Wiese, in einer Region ohne spezifischen Mineralienmangel, bei ausreichender Fresszeit (täglich vier bis fünf Stunden) sowie einer zusätzlichen Kraftfuttergabe jeden Tag benötigt ein Pferd keine zusätzliche Gabe von Mineralfutter. Der Einsatz von Mineralfutter ist immer dann sinnvoll, wenn das Pferd zum Beispiel Haut-, Huf- oder Fellprobleme hat, wenn es starke körperliche Arbeit zu leisten hat, wenn es sehr jung, sehr alt oder krank ist und immer dann, wenn ein regionaler Mangel im Boden bekannt ist. Die sicherste Methode für das Erkennen von Mangelregionen ist, das Heu untersuchen zu lassen (das bieten Tiergesundheitsdienste an). Eventuell kann das regionale Landwirtschaftsamt Auskunft erteilen. Es gibt auch Ämter, die Karten mit Mangelregionen im Internet veröffentlichen.

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